Do,
07.05.2026, 19.00 -
21.00 Uhr
Demokratie und Ethik
Die Verantwortung des Gedenkens - Erinnerungskultur: Vom Holocaust zu Srebrenica - Lehren für Europa
Der digitale Fachvortrag „Erinnerungskultur: Vom Holocaust zu Srebrenica – Lehren für Europa“ widmet sich der zentralen Bedeutung von Erinnerungskultur als gesellschaftlichen, politischen und normativen Bezugsrahmen moderner Demokratien.
Der digitale Fachvortrag „Erinnerungskultur: Vom Holocaust zu Srebrenica – Lehren für Europa“ widmet sich der zentralen Bedeutung von Erinnerungskultur als gesellschaftlichen, politischen und normativen Bezugsrahmen moderner Demokratien. Ausgehend von theoretischen Konzepten des kulturellen und kommunikativen Gedächtnisses sowie den Kulturtechniken des Erinnerns wird Erinnerungskultur als dynamischer, generationenübergreifender Aushandlungsprozess analysiert, der kollektive Identität formt und gesellschaftliche Selbstverständigung ermöglicht. Im Vortrag wird die Entwicklung der Erinnerungskultur im Kontext des Nationalsozialismus nachgezeichnet. Dabei werden zentrale Stationen wie die juristische Aufarbeitung der NS-Verbrechen, die Rolle von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die Institutionalisierung des Gedenkens sowie aktuelle digitale Formen der Erinnerungsarbeit thematisiert. Erinnerungskultur wird hierbei nicht als rein retrospektives Gedenken verstanden, sondern als integraler Bestandteil politischer Bildung und demokratischer Wertevermittlung. Ein besonderer Schwerpunkt des Vortrags liegt auf der Erinnerung an den Genozid von Srebrenica (1995). Die Auseinandersetzung mit Srebrenica verdeutlicht die Aktualität von Erinnerungskultur jenseits des historischen Bezugsrahmens des Holocaust. Die Erinnerung an Srebrenica wird als moralische und politische Verpflichtung verstanden, die der Bewahrung historischer Wahrheit, der Anerkennung des Leids der Opfer und ihrer Angehörigen sowie der Prävention zukünftiger Gewalt dient. Zugleich wird die Bedeutung der Erinnerungskultur im Kontext von Srebrenica als Gegenpol zu Geschichtsleugnung, Relativierung und politischer Instrumentalisierung herausgearbeitet. In Zeiten wachsender demokratischer Spannungen und erinnerungspolitischer Kontroversen wird Erinnerungskultur als zentrale Ressource zur Stärkung von Demokratie, Toleranz, historisch-politischer Mündigkeit und einer gemeinsamen europäischen Wertebasis verstanden. Damit wird Erinnerungskultur als
fortwährende gesellschaftliche Verantwortung sichtbar, die historisches Bewusstsein, ethische Verpflichtung und demokratisches Handeln im europäischen Kontext untrennbar miteinander verbindet.
Prof. Dr. Markus Gloe ist Professor für Politische Bildung und Didaktik der Sozialkunde sowie Direktor der Lehreinheit Politische Bildung und Didaktik der Sozialkunde/Politik & Gesellschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Prof. Dr. Damir Kapidžic ist Professor für Vergleichende Politikwissenschaft und Direktor des Instituts für Sozialwissenschaftliche Forschung an der Universität Sarajevo.
OStRin Havva Doksar ist Oberstudienrätin der Landeshauptstadt München, Politikwissenschaftlerin und Forschungsprojektleitung an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Dr. Jasmin Medic ist Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte der Universität Sarajevo.
Die Veranstaltung findet im Rahmen der Kooperation zwischen der Domberg-Akademie und dem Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München zum Thema "Erinnerungskultur in einer vielfältigen Gesellschaft" statt. Durch diese Zusammenarbeit wollen wir die Verbindung von akademischer Forschung und gesellschaftlicher Praxis stärken und den fachlichen Diskurs über Erinnerungskultur in der politischen Bildung nachhaltig fördern.
Gefördert aus den Fördermitteln für Geflüchtete "Bildung zu Flucht, Asyl, Migration und Integration" der Erzdiözese München und Freising.
Solidarmodell
Im Solidarmodell kalkuliert die Domberg-Akademie eine empfohlene Teilnahmegebühr.
Um allen Interessierten die Teilnahme an den Angebote offen zu halten, ist es möglich, die Veranstaltung kostenfrei oder ermäßigt zu besuchen.
Wem es möglich ist, andere Teilnehmende mitzufinanzieren, kann freiwillig mehr bezahlen.